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Dieses Thema hat 2 Antworten
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JBM Offline



Beiträge: 142

08.03.2011 21:51
Backup-Konzept antworten

Hallo zusammen,

nachdem ich kürzlich einmal quer durch die Hölle - ganz knapp am Fegefeuer vorbei - gerobbt bin, möchte ich meine Erfahrungen und die Konsequenz daraus hier mal zum Besten geben. Natürlich auch diesmal mit dem Hintergedanken, Euer Feedback und Verbesserungsvorschläge zurückzubekommen ;)
... also - schön der Reihe nach:

Bei mir zuhause gibt es zwar einige PCs (fast jedes Familienmitglied hat einen), die auch auf sehr rudimentäre Weise miteinander vernetzt sind (Microsoft, Stichwort "Arbeitsgruppe"), aber alles rund um das Thema Fotografie läuft auf einem Desktop mit folgender Ausstattung (vor dem Unfall):
- Windows XP Professional, SP3, aktuelle Patches
- 4 Festplatten, davon jeweils 2 baugleiche als RAID 1 (also Spiegelplatten) via Hardware-Raid-Controller, der auf dem Mainboard sitzt.
- auf dem ersten Plattenpärchen waren 2 Partitionen: ("System" fürs Betriebssystem und die Programme, "Daten" für Userdaten und auch das Bildverzeichnis etc. von Pixafe)
- das zweite Festplattenpärchen war eine große Datenpartition ("Daten_2") für das erweiterte Bildverzeichnis von Pixafe und anderen Kram

Da ich ja durch das RAID vor dem Ausfall einer Festplatte geschützt war, wurden die Zeitabstände, in denen ich auf jeweils eine große externe Festplatte ein Vollbackup per Acronis TrueImage zog, immer größer ...

Eines schönen Abends hatte ohne jeden erkennbaren Anlass mein BIOS viele Einstellungen auf Defaultwerte zurückgestellt, was ich erst beim Start von Windows bemerkte, da irgendwas mit der Zuordnung der Laufwerksbuchstaben nicht mehr so war wie immer ... und auch der Monitor für den Zustand des RAID-Systems meldete, dass da was nicht stimmt ...
Ein Blick ins Systemlogfile bestätigte, dass da plötzlich mehrere Festplatten mit identischer Datenträger-ID aufgetaucht waren, was Windows ohne lange zu fragen natürlich gleich mal korrigiert hat. Andere Meldungen (auch beim vorhergehenden fehlerfreien Herunterfahren des Systems) zeigten keine Auffälligkeiten.
Neben den zusätzlich vorhandenen Laufwerken, fiel mir aber auch auf, dass die Datenpartition auf der ersten Platte verschwunden war ...
... ich machs kurz:
Irgendwas hat die Partitionstabelle der ersten Platte so zerstört, dass die Datenpartition mit keinem mir geläufigen Tool (Windows-On-Board-Mittel, Partition Magic, TrueImage, TestDisk, etc...) wieder herzustellen war - und zwar auf beiden Exemplaren der ursprünglich gespiegelten Platte (!)
Das letzte Backup stammte von Mitte November - war also rund 3 Monate alt ... und ich hatte jede Menge neue Bilder in Pixafe abgelegt, und und und und ... @#§&@@~#!!!
Nach vielen Versuchen mit teils grausamen Low-Level-Tools hat mich ein Arbeitskollege mit einem Linux-Hilfsprogramm gerettet und die Partitionstabelle soweit restauriert, dass ich wenigstens wieder an meine Daten kam.
Das ganze Spielchen hat mich also verdammt lange Nächte, jede Menge Nerven und verlorene Haare (die fallen bei mir immer aus bevor sie grau werden ;) und letztendlich rund 2 Wochen Stillstand gekostet (es ging an der Rechnerbaustelle überhaupt gar nichts mehr, nicht mal ne Online-Überweisung. Ich durfte ja meine Festplatte nicht verändern sonst würde ein Rettungsversuch ja nie klappen ...).

Nun zu den von mir gezogenen Konsequenzen:
Ich habe mein Sicherungtskonzept komplett neu aufgestellt:

- Festplatte 1 ("System" und "Daten"), sowie Festplatte 2 ("Daten_2") wurden wieder so aufgesetzt wie bisher.

- RAID hab ich deaktiviert. Das käme mir nur für einen Server evtl. wieder in die Tüte, wenn die Ausfallzeiten minimal bleiben müssen. Bei einem "quasi-stand-alone PC" ist das aber nicht sooo entscheidend. Da ist die schnelle Rekonstruierbarkeit ohne Datenverlust für möglichst viele Fehlerursachen wichtiger. RAID schützt nicht gegen Ausfall des BIOS, versehentliches Löschen, Ausfall des RAID-Controllers, und viele andere Fehlerquellen ...

- Zur Sicherung der Daten habe ich ein mehrstufiges Konzept entworfen. Grundprinzip ist dabei immer, dass die Sicherung nie auf derselben (Hardware-)Festplatte liegt, wie die Originaldateien - auch nicht in einer anderen Partition auf derselben Platte.

Stufe 1:
Pixafe - Funktion Datenbank Backup erstellen. Dies wird von mir manuell angestoßen, sobald "viele" Änderungen gemacht wurden, oder bevor ich eine neue Version einspiele, bzw. irgendwas außergewöhnliches ausprobiere. Das jeweils vorhergehende Backup verschiebe ich vorher in ein Unterverzeichnis des Backup-Verzeichnisses ...
Die IBM DB2 Datenbank, welche Pixafe ja zugrunde liegt, speichert die Datentabellen in einem Unterverzeichnis des Systemlaufwerks, also auf meiner 1. Festplatte. Deshalb habe ich in den Einstellungen von Pixafe, das Backup-Verzeichnis auf ein Unterverzeichnis der 2. Festplatte (Partition "Daten_2") gesetzt.

Stufe 2:
Meine beiden durch die Auflösung des RAID-Systems freigewordenen Platten habe ich wieder ins System integriert, um darauf in relativ kurzen Zeitabständen Backups zu machen. Eine kleine Zweitverwendung besteht darin, temporäre Arbeitsspeicher/Swap-Space von Windows (Auslagerungsdatei), Photoshop u.ä. dort abzulegen. Das wirkt sich positiv auf die Performance aus, da diese Backup-Platten normalerweise untätig rumstehen und beim Zugriff auf die Auslagerungsdateien die Köpfe der System- und Datenplatten bleiben können, wo sie eben sind ... das nur so am Rande ... zurück zum Backup:
Auf diesen Backup-Platten habe ich nun jede meiner Nutz-Partitionen als Voll-Backup gesichert. Ich verwende dazu derzeit Acronis TrueImage.
Zu bestimmten festen Zeitpunkten wird nun jeweils eine Partition automatisch im Hintergrund als Inkrementalbackup gesichert. Dies läuft automatisch im Hintergrund ab und ist durch die kurzen Intervalle nicht weiter störend. ... und ich kann es wegen des Automatismus nicht mehr "vergessen" :)
Rechtzeitig bevor die Backup-Platten an ihre Kapazitätsgrenze stoßen, muss ich natürlich die Inkrementalbackups verwerfen und durch ein neues Vollbackup ersetzen, von dem ausgehend dann wieder der automatische Prozess losläuft. Diese Umstellung sollte nicht allzu häufig nötig sein und wird wohl am effektivsten mit Stufe 3 gekoppelt.

Stufe 3:
So cirka einmal im Monat hole ich eine meiner beiden externen SATA-Platten aus dem Schrank und stecke sie an den E-SATA-Port. auf diese Platte wird dann jeweils eine der 3 Nutzpartitionen gesichert (Vollbackup) und danach die externe Platte wieder abgezogen und im Schrank verstaut. Durch die Verwendung von 2 Platten im Wechsel habe ich also immer 2 Sicherungen mit einem gewissen Zeitabstand zur Verfügung. Das erhöht die Chancen, wenn mal eine Sicherung nicht lesbar sein sollte, oder wenn der Verlust versehentlich gelöschter Dateien erst relativ spät bemerkt werden sollte. Ein Backup kann aber nie ein Archiv ersetzen - dieses Restrisiko bleibt, aber für meine Bedürfnisse ist das akzeptabel.

O.k. soweit zu meinem neuen Konzept und der Hoffnung, beim nächsten Ausfall nicht mehr so viel zu schwitzen wie diesmal

Ich hab Euch da mal wieder kräftig zugetextet, hoffe aber trotzdem auf Eure Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge...

Ciao und nen schönen Abend noch

Jürgen

Peter Offline



Beiträge: 847

16.03.2011 05:37
#2 RE: Backup-Konzept antworten

Hallo Jürgen,

ich glaube, die Notwendigkeit für ein gutes und regelmäßiges Backup erkennt man erst dann so richtig, wenn man einmal auf die Nase gefallen ist.
Das passt zu deiner Schilderung, ich hatte ein ähnliches Erlebnis: als Student habe ich in einer kleines Softwarefirma gearbeitet und über 4 Wochen einen komplexen Algorithmus implementiert, dieser war dann fast fertig bis sich die Platte verabschiedete. Die anschließende Neu-Implementierung war dann zwar noch besser und ging auch deutlisch schneller aber derart 2 Wochen sind sehr frustrierend. Wenn man als Folge eines Hardware-Defektes aber Bilder verliert, die nicht wieder herstellbar sind kann es noch schlimmer sein.

Darum: bitte stets daran denken, dass die Festplatten kaputt gehen können (ich hatte mittlerweile etwa 5 Platten-Creashes bei denen die Festplatten anschließend entsorgt wurden. Dank stets durchgeführtem Backup gab es keine Datenverluste.

Es ist wichtig, dass man unterscheidet zwischen logischem und physisches Löschen. Wie du schreibst muss man sich dagegen schützen, dass man versehentlich etwas selbst löscht (logisches Löschen) und dagegen dass die Hardware versagt (physisches Löschen).

Gegen das versehentliche aktive logische Löschen hilft die Daten auf andere Medien zu kopieren (andere Platte, Streamer, ...). Gegen das physische Löschen ist RAID (Redundanz, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/RAID) der richtige Weg, bei dem der Controller die Daten gleichzeitig auf mehrere Festplatten verteilt.

Wir setzen im Büro den ReadyNas NV+ ein, ein wunderbares Gerät. Es handelt sich um ein mit GigaBit angebundenes RAID System, in dem 4 Festplatten Platz finden. Auf dem System läuft ein Linux, das System ist sehr gut mit Browser über das Netz wartbar und war nicht teuer (ich glaube um die 700 EUR ohne Platten). Das gerät ist sehr zuverlässig, schnell... Für die Heim-Anwender gibt es das auch mit nur 2 Platten für noch einmal deutlich weniger Geld.
Der ReadyNas hilft also gegen den Ausfall von Festplatten. Ist eine defekt, können wir eine baugleiche neue einschieben und erhalte sofort die Spiegelung der Daten von den übrigen Platten...

Gegen das versehentliche logische Löschen wird der ReadyNas 1x pro Woche koimplett via USB auf eine separate Platte abgezogen.
Auch hier gibt es 2 Platten, die alle 2 Wochen gewechselt werden, so hat man 2 Stufen.

Zur Sicherung von pixafe gibt es das Programm pixafeBackup.exe http://www.pixafe.com/hilfe/backup.htm#Backupautomatisiert
das man automatisiert ausführen kann, beispielsweise jeden Abend mit einem anderen Zielverzeichnis. Damit kann man ein 7 stufiges Backup aufbauen (Sicherung je nach Wochentag in ein separates Verzeichnis).

Die Automatisierung macht man am besten mittels geplantem Task unter Windows, siehe
unter XP: http://support.microsoft.com/kb/308569/de und Win 7 http://blog.andreseck.de/?p=577

Gruß
Peter

Michael Offline



Beiträge: 190

27.03.2011 23:55
#3 RE: Backup-Konzept antworten

Hallo Jürgen,

allein wenn ich Deinen Beitrag lese, schmerzt es mich bei dem Gedanken, was in Dir vorgegangen sein muss. Du hattest es ja bereits einmal angedeutet, dass es bei Dir zu einem echten Daten-GAU gekommen ist. Mein nachträgliches Mitgefühl!

Peter trifft mit seiner ersten Äußerung natürlich den Nagel auf den Kopf. Erst wenn es mal richtig gekracht hat, weiß man eine vorhandene Sicherung zu schätzen. Ich habe das in meinem Job schon mehrfach durchlebt. Privat habe ich bislang eigentlich wenig ernsthafte Probleme mit Datenverlusten gehabt. Mein Dell-PC wurde seinerzeit optional mit 2 identischen internen Festplatten in RAID 1 Konfiguration angeboten. Ich habe mich allerdings gegen diese Lösung entschieden und stattdessen die 2 Platten unabhängig voneinander betrieben. Wie bei Dir, enthält die erste Platte das System (WIN XP) und eine Datenpartition. Auf der baugleichen 2. Festplatte befindet sich eine Partition, die ich exklusiv für die DB2 Datenbank und die pixafe Bildverzeichnisse eingerichtet habe und einer weiteren Partition, die Backups der ersten Festplatte aufnimmt. Die Sicherung der (Bild-)daten von der 2. Festplatte laufen auf eine extern angeschlossene HD. Auch die Backups der internen Sicherungspartition werden in regelmäßigen Abständen auf eine externe Festplatte kopiert. Für die Backups setze ich ebenfalls Acronis True Image ein.

Soweit mein Backup-Konzept. Die Gefahr durch physikalisches Löschen kann ich damit natürlich nur bedingt eingrenzen. Auch unterliege ich zuweilen dem Schludrian, Backups nicht immer konsequent durchzuführen. Z.B. funktioniert der Zeitplaner in TrueImage zumindest mit der externen Platte nicht immer einwandfrei. Wenn die sich "schlafen legt", verpennt Acronis den Job auch schon mal ganz. Dann muss ich das Ganze letztlich doch manuell anstoßen. Bis jetzt hat das ausgereicht. Ich klopfe mal auf Holz...

Beste Grüße und Wünsche,
Michael

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